Was ist Hämostaseologie?

Bei jeder kleinen und großen Verletzung, aber auch bei Operationen, ist der Körper darauf angewiesen, dass Mechanismen bereitstehen, die diese Gefäßverletzungen wieder verschließen, so dass es nicht zu einem gefährlichen Blutverlust kommt. Diese Funktion erfüllt die Blutstillung (Hämostase). Mit Hilfe von komplizierten Mechanismen wird im Falle einer Verletzung ein mechanisch stabiles Netzwerk aus Fibrin und anderen Blutbestandteilen ausgebildet, das einen dauerhaften Wundverschluss sicherstellt.

Die Hämostaseologie ist die Lehre vom „Stehen und Steckenbleiben des Blutes“, wie schon der Mitbegründer der modernen Hämostaseologie Rudolf Marx 1953 feststellte. Sie beruht auf komplexen Wechselwirkungen zwischen den Blutgefäßen, den Gerinnungsfaktoren (Enzyme aus dem Blut) und den Blutzellen, vor allem den Blutplättchen (Thrombozyten).

Die Blutstillung beruht auf Prozessen, welche die Blutgerinnung einerseits aktivieren, andererseits aber auch hemmen. Diese Systeme müssen im Gleichgewicht stehen, um eine effektive Blutstillung ohne unerwünschte Blutgerinnsel (Thrombosen) oder unnötige Blutungsneigung zu gewährleisten.

Störungen im Blutgerinnungssystem, ausgelöst durch angeborene oder erworbene Ursachen, führen häufig zu schweren Erkrankungen. Hämostaseologische Diagnostik wird daher in sehr verschiedenen klinischen Situationen durchgeführt.

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