Beginn der modernen Transfusionsmedizin

Das Interesse an der wissenschaftlichen Untersuchung des Blutes war im 19. Jahrhundert groß. Den Grundstein für die moderne Transfusionsmedizin7 legte dabei der Wiener Chirurg Karl Landsteiner, der zusammen mit seinen Mitarbeitern 1900 die AB0–Blutgruppen entdeckte. Durch die jetzt mögliche Blutgruppenbestimmung wurden Bluttransfusionen erheblich sicherer und waren nicht länger ein reines Glücksspiel. Für diese Entdeckung erhielt er 1930 den Nobelpreis für Medizin.

Weiterhin blieb die Bluttransfusion ein aufwändiges und risikoreiches Verfahren, da man Spender und Patient nebeneinander legen, eine direkte Verbindung herstellen und das Blut direkt übertragen musste. Durch den Zusatz von Natriumcitrat, das die Blutgerinnung außerhalb des Körpers verhindert, wurde es ab 1916 möglich, Blut in Konserven zu lagern. Bereits wenige Jahre später wird 1919 in den USA im Rockefeller–Center die erste Blutbank gegründet. Der erste echte Bluttransfusionsdienst wurde in London im Oktober 1921 gegründet. Schon damals wurde sehr weitsichtig gefordert, die Blutspende müsse freiwillig sein und dürfe nicht bezahlt werden.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das Blutspendewesen stark ausgebaut. Das amerikanische Rote Kreuz sammelte im Rahmen des nationalen Blut-Programms 13,3 Millionen Liter Blut, die der Armee zur Verfügung gestellt wurden. Die Entdeckung weiterer Blutgruppensysteme, insbesondere des Rhesus-Merkmals um 1940 brachte zusätzliche Fortschritte im Hinblick auf die Sicherheit der Bluttransfusion und führte zur Entwicklung der heute so wichtigen Immunhämatologie. Ein weiterer Faktor zur genaueren Unterscheidung der Blutgruppen, der sog. Kell-Faktor wurde 1946 entdeckt. Bis heute wurden viele weitere, z.T. sehr seltene, Blutgruppenmerkmale beschrieben.

Cohn gelang 1941 die Auftrennung des Plasmas mit Hilfe von Alkohol in wichtige Bestandteile, so dass damit die Grundlage für die gezielte Hämotherapie gelegt wurde. Die bis dahin verwendeten Glasflaschen wurden in der Folge durch Kunststoffbeutel ersetzt, nachdem man immer wieder Luftembolien und pyrogene Reaktionen beobachtet hatte. Dass durch Bluttransfusionen Krankheiten, allen voran die Hepatitis, übertragen werden können, war bereits damals bekannt, wurde aber noch als „übliche“ Nebenwirkung der Therapie mit Blut und Blutkomponenten hingenommen.

 

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