Die Anfänge

Schon seit jeher galt Blut als etwas ganz Besonderes. Bereits im alten Ägypten glaubten die Menschen an die wundersame Heilkraft des Blutes. So badeten damals die an Lepra erkrankten Könige der Ägypter im Blut von Menschen und erhofften sich dadurch eine Heilung von dieser Infektionskrankheit. Aus dieser Praxis kommt der Begriff „Blutbad“. In der Antike wurde das Blut mit Kraft, Gesundheit und Denkkraft in Zusammenhang gebracht. Pythagoras soll gesagt haben:

„Die Seele wird vom Blut genährt.“

Hippokrates war davon überzeugt, dass das Blut dem Menschen das Bewusstsein verleiht und das Trinken von Tierblut zur Behandlung der Epilepsie geeignet sei. Der erste Bericht einer „Bluttransfusion“ stammt von 1492. Laut dem Diarium urbis Romae soll der dahin siechende Papst Innozenz VIII. auf ärztlichen Rat das Blut von drei zehnjährigen Knaben getrunken haben. Man erhoffte sich die Verjüngung des sterbenden Kirchenfürsten. Die Kinder sollen dieses Experiment nicht überlebt haben und auch der Papst starb kurz darauf.

Erst die Entdeckung des Blutkreislaufs, die William Harvey 1628 publizierte, schuf die Grundlage für Infusionen und Transfusionen, die Geburtsstunde der „Chirurgica infusoria“. 1666 übertrug der Brite Richard Lower erstmalig erfolgreich intravenös im Tierexperiment Blut von Hund zu Hund. Ein Jahr danach übertrugen die Franzosen Jean-Baptiste Denis und Pièrre Emmerez Tierblut auf Menschen. Aufgrund der vielen Todesfälle waren aber derartige Transfusionen stark umstritten. Noch weit bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde mit der Transfusion von Tierblut experimentiert – meist mit tödlichem Ausgang.

Der englische Geburtshelfer James Blundell übertrug 1825 erstmalig erfolgreich menschliches Blut auf eine „ausgeblutete“ Wöchnerin. Er benutzte dafür ein einfaches, trichterartiges Gerät mit einer Spritze und einem Mehrweghahn. Transfusionen wurden direkt von Mensch zu Mensch durchgeführt und waren mit einem – für heutige Verhältnisse – extrem hohen Risiko verbunden. Dennoch setzte sich das Verfahren der Transfusion als letzte Möglichkeit bei einem massivem Blutverlust durch, ohne dass man damals eine Ahnung davon hatte, weshalb Bluttransfusionen so oft tödlich endeten. Ein Zitat aus einer Publikation Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt dies sehr eindrucksvoll:

„Die Transfusion ist einer der sichersten chirurgischen Eingriffe. Die Sterberate liegt bei einem von drei Patienten. Damit ist sie noch niedriger als nach der Behandlung von Eingeweidebrüchen und entspricht etwa der Sterberate von Amputationen.“

 

 

 

 

 

 

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